TAG DER BEFREIUNG - 8. MAI


Vor 72 Jahren endete der offizielle Teil des Zweiten Weltkrieges und damit knapp 6 Jahre schwer beschreibbarer Horror unter den Menschen.

Es war in Berlin. Das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht erklärte die bedingungslose Kapitulation aller Streitkräfte. Russische Soldaten hissten die rote Flagge auf dem Reichstag. Der Krieg wurde als beendet erklärt.

Für das kollektive deutsche Unterbewusstsein geschahen zwei gravierende Dinge - paradox und gleichzeitig:

- totale militärische Niederlage

- Befreiung vom nationalsozialistischen Regime

In der Tiefe können wir sehen, dass die Aufgabe / das Ende des Kampfes zur gewünschten Freiheit führt. Nachdem Adolf Hitler sich acht Tage zuvor selbst ins Jenseits befördert hatte, wurde die Präsenz der Alliierten deutlich wahrgenommen und ein Ende des Gräuels möglich. Die Niederlage war ein symbolisches sich vor dem Schicksal verbeugen. Die Ambitionen auf Weltherrschaft und Vormachtstellung wurden niedergelegt. Im Vertrauen auf die grenzenlose Sicht auf die Geschehnisse und wohlwissend um die komplexen Zusammenhänge wurde das Theaterstück beendet.

Da es zu den rein geschichtlichen Momenten des den Themas viel Literatur gibt, möchte ich vor allem auf drei weniger bekannte Aspekte eingehen, die aufgrund ihrer den kosmischen Gesetzen folgende Subtilität starke Einflüsse im Unterbewusstsein ausüben können:

1. Sowohl vor als auch nach den tatsächlich in Geschichtsbüchern festgehaltenen Datumsangaben zum Zweiten Weltkrieg gab es kriegsähnliche Zustände. Die Zeit davor und danach war gezeichnet von den Vorbereitungen und den Nachwehen. Die Kreise, die diesbezüglich gezogen werden können, sind unterschiedlich groß - je nach Abstraktionsgrad. Schauen wir beispielsweise die 6 Jahre davor und danach an:

1933 bis 1939 war die Zeit der wachsenden nationalsozialistischen Diktatur. Adolf Hitler als Reichskanzler symbolisiert die Macht und die Machenschaften. Deutschland verließ provokativ den Völkerbund, aus dem es nach dem Ersten Weltkrieg zunächst ausgeschlossen worden war, Der Anschluss benachbarter Ländereien (Österreich, Tschechien) und die Verfolgung / Ermordung von Oppositionellen und Kranken waren die "Meilensteine" der auf Eroberung ausgerichteten Politik. Bereits seit 1933 bestanden Arbeitslager / Konzentrationslager, in denen die Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen für Straßenbau und später Rüstungsindustrie eingesetzt wurden.

In der Zeit von 1945 bis 1951 waren weiter viele deutsche Opfer zu beklagen. Zum Einen war mit Ende des Krieges der Status der von den Alliierten inhaftierten Kriegsgefangenen geändert. Aus familiären Schicksalen weiß ich, dass sowohl in den USA und England als auch in Russland Gefangene noch lange Zeit festgehalten und misshandelt worden sind. Die Überlebenden brauchten zum Teil viele Jahre für den Weg nach Hause.

Währenddessen in Deutschland waren die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Das Bild der Trümmerfrauen, die wieder Ordnung schaffen und Halt geben wollten gehört genauso zum Nachkriegsdeutschland wie die Trennung des Landes in Ost und West. Die Knappheit im Osten (Kommunismus) und die Angebundenheit an den reichen Westen (Kapitalismus) sorgte für einen immer tieferen Graben inmitten der deutschen Seele. Die Überwindung und Integration dieser Gegensätze sollte viele Jahrzehnte andauern.

Auch die Konzentrationslager wurden teilweise weitergeführt - diesmal für die dem neuen (sowjetischen) System Unbequemen. In Sachsenhausen beispielsweise starben 60.000 Häftlinge an Hunger, Kälte, Ungeziefer und entsprechenden unbehandelten Folgekrankheiten. Die Gewalt und der Übermachtanspruch ist wie eine Sucht, die in verschiedenen Ebenen immer wieder vordringt.

2. Bis heute ist die Unabhängigkeit und der Frieden durch keinen völkerrechtlichen Vertrag ausgehandelt. Durch die bedingungslose Kapitulation, die gescheiterte Konferenz in Potsdam, die Aufteilung Deutschlands und die späteren Fragen der Souveränität scheint in diesem Punkt ein gewisses Vakuum für Verunsicherung zu sorgen. Fakt ist außerdem, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland auch während der Existenz der zwei deutschen Staaten in seiner Präambel alle Deutschen anspricht:

„Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.“in seiner Präambel

Diesem Ziel ist Deutschland mit der Wiedervereinigung und der zuvor stattgefundenen "zwei-plus-vier"-Verhandlungen immer näher gekommen. Nun ist eine gute Zeit, die drei Schlüsselkonzepte genauer zu beäugen - SELBSTBESTIMMUNG, EINHEIT, FREIHEIT. Jeder Deutsche ist aufgefordert, seine Sicht auf die Themen zu erkunden und zu teilen.

3. Wenn wir auf der Zeitebene weitere Blickwinkel öffnen, ergibt sich zusätzlich ein anderer heilsamer Blick auf die deutsche Geschichte. Am 3. Juli 1942 war etwa die Hälfte des Zweiten Weltkrieges vorüber. Die insgesamt 2.076 Tage des bis dato größten militärischen Konflikts auf unserem Mutterplaneten haben etwa 60.000.000 Menschen ins Jenseits befördert. Die dabei angewandte Gewalt, die ignoranten und gefühlslosen Machenschaften sowie die makellos untermauerte Ideologie spiegelten die Enge im Herzen der Deutschen und ihrer Nation. Immer weiter wollten sie in die Welt hinaus, um "Lebensraum" zu erobern.

Es fühlt sich an wie die Sehnsucht nach Weite, um wieder tief durchatmen zu können.Im Grunde sollten wir die Frage stellen, wie es zu dieser wahrgenommenen Knappheit an Raum und Leben (Atem) kam. Der Zeitgeist machte es in allen gesellschaftlichen Schichten deutlich - die Auswirkungen des Friedensvertrages von Versailles, der am 28. Juni 1919 den Ersten Weltkrieg offiziell beendet hatte, lies das deutsche Volk noch lange bluten. Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Hungersnot waren die Symptome, die eine deutliche Sprache zeigten. Das Spiel mit der Macht und das Spiel der Mächte war in vollem Gange.